Der militärische Faktor in der Wirtschaft und Implikationen für die Entwicklung in Nordafrika und Westasien

Mai 14, 2012 in Panels von admin

Im weltweit verlaufenden Prozess der Aufrüstung weisen die MENA-Staaten und -Gesellschaften im globalen Maßstab weiterhin den höchsten Grad der Militarisierung auf (siehe GMI des BICC; Rüstungsstatistika laut SIPRI). Mit den erneuten Vereinbarungen zur Lieferung von Waffensystemen (wie Leopard II-Panzer an Saudi-Arabien, Dolphin-U-Boot an Israel) sowie den atomaren Waffenpotentialen und -ansprüchen steigt das Gefahrenpotential nicht nur in der ohnehin seit Jahrzehnten angespannten Krisenregion, sondern weltweit. Auch der Rüstungstransfer im informellen Sektor trägt zur Anspannung der Rüstungsspirale bei. Weiterhin kommt Militärtechnik zunehmend in der sog. unkonventionellen Kriegsführung zur Anwendung, wie in der Terrorismusabwehr und gegen Piraterie. Primär nach außen zur Verteidigung des eigenen Gemeinwesens gerichtet, wird sie mit Sicherheitsbegründungen zunehmend innen eingesetzt. Militärisch basierte Technologien sind in Überwachungssystemen und zur Informationsbeschaffung auch in den zivilen Alltag integriert worden (wie Drohnen, Sicherheitsdetektoren, GPS).

Das Panel will sich insbesondere mit dem Einfluss von Rüstungswirtschaft und Militärtechnologie auf Wirtschaft und Politik unter den gegenwärtigen Bedingungen regionaler Machtverschiebungen und globaler Krisenprozesse befassen. Im Mittelpunkt stehen der quantitative und qualitative Einfluss des militärischen Faktors auf Wirtschaft, Politik und Gesellschaft und die Implikationen für die Entwicklung in Nordafrika und Westasien.

Das Panel ist offen für die interdisziplinäre und vergleichende Analyse. Willkommen sind sowohl theoretische Überlegungen zum Verhältnis von Rüstung, Militär und Wirtschaft als auch empirische Einzel- und Vergleichsanalysen der sozialwissenschaftlichen Forschung. Fragestellungen der Diskussion sind unter anderem:

- Innenpolitische und gesellschaftliche Folgen von Produktion, Export und Import von Rüstungsgütern,

- Anstieg von Rüstungsproduktion und -export im Gesamtprozess der nationalen Wirtschaft – „Motor“ für Wirtschaftswachstum?

-       Einfluss von militärisch induzierten Technologien auf die primär zivile Wirtschaft – volkswirtschaftlich teure spillover-Effekte oder politisch notwendig?

-       Treiben globale Netzwerke des informellen Rüstungsmarktes das Aufrüsten in der Region an?

Organisatorin: Sabine Hofmann, FU Berlin

Bitte senden Sie Ihre abstracts bis zum 4. Juni 2012 an: Dr. Sabine Hofmann: shofmann@zedat.fu-berlin.de